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Im Handel wusste man’s längst

Im Handel wusste man’s längst published on
Jetzt im Spiegel 2018 Meinung ohne Ahnung

Das Erstaunen über die fehleranfälligen Prozesse im zeitgenössischen Journalismus ist eher kein Phänomen unter Leserinnen und Lesern, die haben sich an manchen Humbug und sonderliche Volten im Welterklärgeschäft gewöhnt. Ging die Relevanz des Relotius schon zu seinen Wirkungszeiten kaum über die eigene Zunft hinaus (= er fabulierte, was seinen Redaktionsleitern und Preisverleihern gefiel, nicht für Leser), so ist nach dem Auffliegen des unsympathischen Vogels erst recht interessant, dass das nur DIE BRANCHE aufgescheucht hat. Der größte Teil der Gesellschaft zuckt mit den Achseln.

Wenn die betroffenen Redaktionen mit betroffener Miene weiter die Betroffenen mimen und das wie der SPIEGEL als ihre Opfer-Erzählung durchsetzen, ist es vielleicht sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass diese Darstellung zu bequem ist. Das Milieu, das solche Knaben gut findet, fördert und als Aushängeschilder nutzt, ist nicht Opfer, sondern Mittäter. Ohne eine Nachfrage nach emotionalen Rührstücken (so traurig) mit aktuell-politischem Hintergrund (brisant) aus exotischen Ländern (spannend) gibt es keinen Nimbus als zart-einfühlende Edelfeder mit Superkontakten. Nur besteht diese Nachfrage zuallererst in den Redaktionen, nicht bei Lesern und Zuschauern. Die schauen da nur hin, weil die Redaktion mit der Veröffentlichung eine Art Prüfsiegel professioneller Berichterstattung mitveröffentlicht hat. Hey, im Netz gibt’s alles Mögliche, aber wenn’s im SPIEGEL steht … nimmt man’s doch zumindest ernster, oder?

Tja, das ist wohl der Irrtum. Das festzustellen, dazu braucht es keinen FALL Relotius, die Branchenrealität ist viel trister. Ein paar Recherchetipps, wen es wirklich interessiert, samt kurzer Antworten für Recherchefaule:

  1. Wie viele Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland betreiben ein sogenanntes FACTCHECKING, beim Spiegel DOKUMENTATION genannt? (maximal eine Handvoll. Die meisten haben sogar ihr Lektorat abgeschafft. Qualitätskontrolle ist kein populäres Thema in der Zeitungsindustrie.)
  2. Welche Grenzen hat ein seriöses FACTCHECKING? (viele. Konsequentes Factchecking müsste bei den Quellen und Zitierten nachfragen, ob das wirklich so stimmt, wie vom Reporter geschrieben, womit der Arbeit- oder Auftraggeber dessen Autorität untergräbt. Im Fall der Zitate gilt es zurecht als problematisch, sie dem Zitierten auf Wiedervorlage zu geben, wenn man sich anschaut, welch weichgespülte Fassung man von diesem oder dieser bei Wortlautinterviews zurückkriegt. Besonders sinnlos ist Factchecking, das sich die zitierten Studien und Quellen vom Schreiberling schicken lässt statt andere Quellen zur Verifizierung zu suchen. Wenn die genannten Quellen irren oder lügen, der Aufschreiber das aber richtig wiedergeben hat, geht das widerspruchsfrei durch)
  3. Warum finden freie Schreiber und Korrespondenten ihre Texte in einer Fassung im Blatt wieder, die mit Fehlern versehen worden ist? Sodass sie nicht mehr mit der Quellenlage übereinstimmen und Zitate von der Audiodatei abweichen? Das Tunen von eingereichten Texten in Zentralredaktionen oder am Newsdesk, durch Branchenvertreter, die nie vor Ort waren und mit niemandem gesprochen haben, dessen Zitate sie frisieren, ist eine Seuche, die diese Branche befallen hat und über die jeder freie Journalist etwas sagen könnte. Das Motiv, das Maximale aus der Story rauszuholen oder banalen Murks überhaupt erst zur Story zu machen, mag in der Werbung und der BILD-Zeitung gang und gäbe sein. Im seriösen Journalismus damit leben zu müssen, ist ein guter Grund, dieser Branche Lebwohl zu sagen.

Spartipp Handelsblatt

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Steingart-Bildung-durch-Abo äh Abitur-Schulz-tw 2017 Meinung ohne Ahnung

Gabor Steingart redet immer noch so, der Auftritt liegt aber schon fünf Jahre zurück. Der Nutzen einer Kündigung des HANDELSBLATTS ist demnach heute, im Jahr 2017, bereits 200 Euro höher ist als im Jahr 2011: 749 Euro für’n Jahresabo [2011: 549 Euro].

Shit where you eat, my friend

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G20 Hamburg Stilzchen Schanze 2017 Meinung ohne Ahnung

Da marschiert der linke Heimatschutz auf, und seine erschrockenen Sympathisanten reiben sich die Augen, was es alles gibt. Weil der physischen Gewalt die verbale wie immer lange vorausgegangen war, könnten Astra*TrinkerInnen ihr Lamento lassen und sich fragen, warum sie nie etwas gemerkt haben. In ihrem sprachlich sonst so sensiblen Milieu ist seit Jahren wie selbstverständlich von der angeblich faschistoiden Polizei, dem alles überwachenden Staat und der nichts als ausbeuterischen Globalisierung die Rede. Es wurde seit Wochen auf Plakaten an jeder Straßenecke angekündigt: Welcome to hell. Gesagt, getan.

Wo sonst Bewunderung, herrscht nun Verwunderung, dass Gewalttäter ausgerechnet im Schanzenviertel plünderten, wo sie seit Jahren Unterschlupf und Fütterung finden. Wieso sollte sich Gewalt ausgerechnet dort nicht austoben, wo man ihren Predigern ein Bier aus- und ein Ohr zum Abkauen schenkt? Shit where you eat, my friend. 

Hot air in there

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Die Welt ist nicht ihr Feld 2017 Meinung ohne Ahnung

Undank ist der Welten Lohn. Wie sonst konnten einstige QUALITÄTSZEITUNGEN nur in den Verdacht geraten,

  • keine Verbindung zur Realität mehr zu haben,
  • im Wolkenkuckucksheim die Bodenhaftung zu verlieren,
  • so manche Luftpumpe und ziemliche Luftikusse zu beschäftigen,
  • die noch dazu viel heiße Luft produzieren?

In einem speziellen Fall könnte die Zeitungsbranche zu dieser um sich greifenden Fremdwahrnehmung allerdings doch einen kleinen Eigenbeitrag geleistet haben – wenn auch weniger durch den Einsatz eines aufgeblähten Werbemittels als durch die Bestallung eines neuen Chefredakteurs. Dieser konnte in den 1990er Jahren von einem Schwindler angebotene Fakenews leider nicht von echten unterscheiden. Damals ging es zwar nur um Hollywood-Interviews, „geführt“ von Tom Kummer (hier ein Link zum Dokfilm darüber). Seit Ende 2016 nun darf Ulf Poschardt für DIE WELT mit seinem Lifestyle-Besteckkasten Politik vermessen.

Auf Twitter sieht das dann – gewiss später einmal anerkannt als der Ausgangspunkt eines Aufbruchs in eine schönere Parallelwelt – zum Beispiel so aus:

Poschardt auf Twitter am 17.1. 2017 Meinung ohne Ahnung

In memoriam Weltökonom

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war-hitler-vulkanier-oder-elbe-2016-meinung-ohne-ahnung

Hmm, MEFO-Wechsel. Wie erklärt man die seinem Kinde? Einen Versuch unternimmt man da.

Hier noch ein paar weitere Weisheiten zeitloser Natur vom Zeitungsherausgeber:

helmut-schmidt-im-gespraech-2009-meinung-ohne-ahnung

Und noch einer:

herr-schmidt-erinnert-sich-2009-meinung-ohne-ahnung

Auch hierüber soll nicht länger geschwiegen werden:schmidt-ihre-frage-ist-berechtigt-2009-meinung-ohne-ahnung

 

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